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Mail an H.C. Stroebele - Betr.: Geisterstadt Mardscha

Wie wir von unseren Abgeordneten verschaukelt werden, ist allgemein bekannt. Nun versucht unser lieber H.-C. Stroebele es mit einem besonderen Trick.

Ich hatte ihm dargestellt und nachgewiesen, dass Mardscha (verschiedenen Schreibweisen - Marjah, Marjeh etc.) keine Ortschaft mit 80.000 bis 85.000 Einwohnern ist.  In Mardschah befinden sich keine Kliniken, Schulen und PC-Läden.

Die Darstellung von Mardscha als größere Ortschaft stammt von der US-Armee, die mit gefälschten Bildmaterial und großspurigen Interviews McChrystals und anderen Militärs Werbung für den Krieg betreibt.

H.-C. Stroebele antwortete auf meine Zuschriften und versicherte, diesen Fake aufzuklären.

Nun hatte mir die Bundeswehr direkt Bild- und Zahlenmaterial über Mardscha zur Verfügung gestellt. Das habe ich selbstverständlich ihm und anderen Abgeordneten weitergeleitet. Ich hoffte, dass nun energisch reagiert würde und die US-Armee aufgefordert würde, uns nicht zu belügen.

Nun stellt H.-C. Stroebele sich dumm und fragt mich, was ich denn überhaupt wolle. Mardschah exitiere doch!

Daraufhin sandte ich ihm folgende Mail am 27.03.2010:

Sehr geehrter Herr Stroebele!

 

 

Selbstverständlich (in Zeiten von Internet und Google) findet man die Stadt Mardscha in den Google-Maps. Hier eben unter dem Namen Marjeh (das hatte ich Ihnen doch mitgeteilt!). Und die deutsche Bundeswehr nennt Mardscha Marjah.

 

Es geht doch darum, sehr geehrter Herr Stroebele, dass diese „Stadt“ keine Stadt ist. Mardscha ist ein Dorf bestehend aus maximal 50 Lehmhütten.
Es geht darum, dass die Presseberichte dennoch suggerierten, es handele sich um eine Stadt mit 80.000 bis 85.000 Einwohnern. (unwahr!)

 

Es geht darum, dass geschrieben wurde, es seien nach der Befreiung dieser Stadt aus den Händen der Taliban Kliniken, Schulen, PC-Läden etc. wiedereröffnet worden. (unwahr!)
Es geht darum, dass auf „einem der vielen Marktplätze“ Mardschas 600 Polizisten Platz gefunden haben sollen. (unwahr!)
Es geht darum, dass zudem Bildmaterial geliefert wurde, dass den Eindruck einer großen Ortschaft vortäuschte. (gefälscht!)
Es geht darum, dass Interviews mit hohen Militärs abgedruckt wurden, in denen Mardscha von diesen als sehr große Ortschaft dargestellt wurde. (unwahr!)

 

 

Herr Stroebele, es geht einfach darum, dass wir hier ganz offensichtlich belogen wurden.
Und nicht die Presse hat sich hier etwas aus den Fingern gesogen.
Die Presse hat nur Meldungen der US-Armee verbreitet.

 

 

Diese Fehlinformationen der US-Armee dienten ausschließlich dazu, den kriegsmüden Amerikanern und Europäern (69% der Deutschen sind gegen den Einsatz in Afghanistan) Erfolge vorzuweisen, die suggerieren sollten, dass die neue Strategie des amerikanischen Präsidenten erfolgreicher sei als die kriegerischen Maßnahmen seines Vorgängers in den letzten 8 Jahren. Mit Lügen sollen wir weiterhin dazu gebracht werden, dass wir junge Menschen in einen schmutzigen, mörderischen Krieg senden, sollen weiterhin die moralische Verantwortung für den Tod und das Elend in Afghanistan tragen.

 

 

Sehr geehrter Herr Stroebele, ich bin gegen Krieg und ganz besonders bin ich gegen den Krieg in Afghanistan, weil ich für alles, was dort geschieht, die moralische Verantwortung trage.
Sehr geehrter Herr Stroebele, ich trage bereits seit 58 Jahren die moralische Verantwortung für Verbrechen, die ich nicht verhindern konnte. Denn in der Zeit des Dritten Reiches war ich noch nicht geboren.
Sehr geehrter Herr Stroebele, ich bin keinesfalls ein Nazi – und dennoch wurde ich hier in Deutschland häufig als Nazi beschimpft. Obwohl ich stets alles getan habe, was ich für Menschen aus anderen Ländern tun konnte.
Im europäischen Ausland, in Frankreich, Dänemark und Holland wurden manche Menschen mir gegenüber aggressiv, wenn sie feststellten, dass ich aus Deutschland stamme.

 

 

Und das muss ich ertragen, weil der Widerstand unter den Deutschen gegen die Naziverbrecher nicht energisch genug war.
Und, Herr Stroebele, denen, die mich da bepöbelten, mich schubsten, bespuckten und sogar verprügeln wollten, kann ich nicht wirklich böse sein.
Denn in ihnen steckt eine Wut, weil das Unfassbare, das Böse von deutschem Boden ausging.
Und so bemühe ich mich, friedlich zu agieren, darzustellen, dass wir Deutschen nicht von Grund auf schlecht sind, so wie immer noch manche annehmen.
Doch ich weiß, dass die Schuld der Verbrecher aus dem Dritten Reich noch lange auf den Schultern jedes Deutschen lasten wird.

 

 

Deshalb bin ich nicht bereit, die Verantwortung für weitere Verbrechen zu übernehmen. Ich bin gegen diesen Krieg.

 

 

Und wenn sie schon Krieg machen, die Damen und Herren aus dem Bundestag, dann verlange ich, dass ich nicht belogen werde.
Die Berichte über Mardscha sind definitiv Lügen.
Das habe ich Ihnen und den anderen Abgeordneten bewiesen.
Anhand der Presseberichte, anhand meiner Recherchen, anhand der Dokumentation der deutschen Bundeswehr.

 

 

Da ich gerade das Wort Lügen aussprach, bleiben wir doch dabei.
Auch im Fall des Todes von 142 Menschen in der Nähe von Kundus am 03./04.09.2009 wird gelogen.
Ja, Herr Stroebele, die deutschen Wähler wurden und werden belogen.
Einige Lügen sind aufgedeckt.
Doch es wird weiter gelogen.

 

Oder will ein Bundestagsabgeordneter behaupten, dass hier nicht gelogen wurde?
Das hier nicht gelogen wird?
Wie wollen die Damen und Herren im Bundestag denn die widersprüchlichen Aussagen sonst werten?

 

 

Es handelt sich bei den Zeugen und sonstigen Verantwortlichen nicht um irgendwelche Dorftrottel, die nicht eins und eins zusammenzählen können, sondern es handelt sich um hochintelligente Menschen, die genau wissen, was sie tun.

Wer von diesen Menschen lügt, kann ich nicht feststellen. Das wäre die Aufgabe des Untersuchungsausschusses. Wie auch Ihnen nicht entgangen sein wird, sucht der Ausschuss leider weniger nach der Wahrheit. Mehr bemühen sich die einzelnen Fraktionen, ihre Parteigänger in einem guten Lichte erscheinen zu lassen. Und obendrein scheinen alle gemeinsam bemüht, den Krieg in Afghanistan schön färben zu wollen.

Das, Herr Stroebele, ist widerlich, ist geradezu verbrecherisch.

 

Der Fall Mardscha mag eine kleine Lüge sein. Das Lügengewirr bezüglich des Gemetzels in Kundus ist augenscheinlich schwerwiegender. Doch wie oft wurden wir Deutschen jetzt schon wieder von unserer Regierung, von unseren Abgeordneten, von Bundeswehrangehörigen belogen? Wann kommen andere, vielleicht noch schrecklichere Wahrheiten ans Tageslicht? Ich denke an Kinderprostituierte im Kosovo, ich denke an einen Hufeisenplan, ich denke an C-Waffen im Irak, ich denke an den Einsatz von Uran-Munition und von weißen Phosphor, ich denke an Folter und an Entführung deutscher Staatsbürger und an Guantanamo und an Abu Ghraib und mit Grauen denke ich an das Dritte Reich..

 

Herr Stroebele, in Anbetracht der Tatsache, dass ich als Deutscher die moralische Verantwortung für die Sauereien in Afghanistan tragen muss, dass ich diese Schweinereien auch noch bezahlen soll, dass ich derjenige sein soll, der die Diäten von Abgeordneten blechen soll, die nicht im geringsten bemüht sind, dem Bundesbürger die Wahrheit zu sagen, bitte ich Sie jetzt, etwas Licht ins Dunkel der Lügenmafia zu bringen. Publizieren Sie die Lügen um die „Stadt“ Mardscha. Und fordern Sie die Lügner auf, sich in aller Öffentlichkeit zu entschuldigen. Denn hier wurden Fakten geschaffen.

 

 

Nun, Herr Stroebele, habe ich mir etwas Luft gemacht. Habe Ihnen deutlich geschildert, worum es mir geht. Im Falle der Fiktion Mardscha sowie in der Sache Kundus, und ich habe Ihnen mitgeteilt, wie ich ganz allgemein zum Krieg in Afghanistan, der ja gar keiner sein soll, stehe. Denn ein Angriffskrieg ist nach Art. 26 des Grundgesetzes verboten. Und nach § 80 des Strafgesetzbuches müssten diejenigen, die einen Angriffskrieg vorbereitet haben, mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Manfred Fenn

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Mail von H.-C. Stroebele:

Von: Stroebele Hans-Christian Laptop [mailto:hans-christian.stroebele.lt@bundestag.de] Im Auftrag von Stroebele Hans-Christian
Gesendet: Freitag, 26. März 2010 19:08
An: Manfred Fenn
Betreff: AW: Marjah (Mardscha etc.)

 

 

 

Sehr geehrter Herr Fenn.

 

 

Mir erschließt sich nicht, wer denn nun in welchem Punkt gelogen haben soll.

 

Die unterschiedliche Schreibweise erklärt doch, warum Sie und ich die Stadt auf der Karte nicht orten konnten.

 

 

Mit freundlichem Gruß

 

Ströbele

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Mail an H.-C. Stroebele am 04.03.2010

Von: Manfred Fenn [mailto:manfred.fenn@mymail.ch]
Gesendet: Donnerstag, 4. März 2010 04:01
An: Stroebele Hans-Christian
Betreff: Zwei kleine Fragen bezüglich der Stadt Mardscha, Afghanistan

 

Sehr geehrter Herr Stroebele,

 

 

ich bitte Sie, mir zwei kleine Fragen zu beantworten.

 

 

Als Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland interessiere ich mich für den schrecklichen Krieg in Afghanistan und so habe ich auch die Berichte über die Operation „Muschtarak“ (andere Schreibweise in den Medien: Moshtarak) in den Medien verfolgt.

 

 

Unter anderem berichtete der Spiegel am 25.02.2010 davon, dass die Talibanhochburg, die Stadt Mardscha unter Kontrolle der Regierung in Kabul sei. Ich zitiere: Das etwa 80.000 Einwohner zählende Mardscha war bis vor wenigen Tagen noch eine Hochburg der Extremisten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,680369,00.html

 

Auch andere Medien erwähnten, dass diese Stadt 80.000 bis 85.000 Einwohner haben soll.

 

Als unparteiischer Beobachter wollte ich mir diese Stadt, die ja mindestens 80.000 Einwohner haben soll, auf der Karte anschauen. Doch ich habe diese Stadt nicht gefunden. Weder mit den Google-Maps noch mit der Street View von Google entdeckte ich eine Stadt namens Mardschah (andere Schreibweisen in den Medien: Mardscha, Marjah, Marja, Mardjeh u. Marjeh).

 

 

Auch in der Wikipedia ist die Stadt in der Länderliste Afghanistans nicht zu finden.
Und ebenso gab mir die Internetseite Citypopulation keinen Aufschluss:
http://www.citypopulation.de/Afghanistan_d.html

 

In der Online Version des Spektrum der Wissenschaft Verlaggesellschaft mbH suchte ich vergeblich nach dieser lt. Medienberichten eben nicht kleinen Stadt.
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/360098

 

Negativ verlief meine Recherche bei der Uni-Regensburg:
http://rzblx10.uni-regensburg.de/dbinfo/einzeln.phtml?bib_id=ub_kl&colors=31&ocolors=40&titel_id=4405

 

Meine Suche nach dieser Stadt hatte auch beim Duden Verlag keinen Erfolg:

 

http://www.duden.de/suche/index.php?suchwort=marjeh&suchbereich=mixed

 

Zwar existiert in der Wikipedia an anderer Stelle ein Eintrag „Mardscha“, der jedoch erst am 13.02.2010 eingestellt wurde. Dieser Eintrag wurde aufgrund einer Studie des Institute Study of War getätigt. Die  Studie selbst bezieht sich jedoch auf Medienberichte, deren Herkunft unbekannt ist.

 

 

Auf den Google-Maps dagegen wird ein Flecken mit Namen Marjeh angezeigt, der maximal 30 Lehmhütten umfassen dürfte.

 

 

Sehr geehrter Herr Stroebele, nun meine Fragen:
Wo liegt Mardscha, diese Stadt mit den 80.000 bis 85.000 Einwohnern?

 

Wo befinden sich unsere Verbündeten?

 

 

Für eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar!

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Manfred Fenn

 

28.3.10 11:39
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


phreak / Website (25.6.10 05:34)
Es handelt sich hierbei wohlmöglich um die PROVINZ Marja, nicht um die ähnlich klingende Stadt, die tatsächlich nur ein paar Lehmhütten enthält.
http://en.wikipedia.org/wiki/Marja,_Afghanistan
Und der Artikel wurde nicht erst dieses Jahr erstellt, sondern ist weitaus älter.

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