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Die andere Front – Heroin aus Afghanistan

Frau
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Bundesministerin für Justiz

Mohrenstraße 37

10117 Berlin                                                              Holm, den 25. Juni 2010
Die andere Front – Heroin aus Afghanistan

Sehr geehrte Frau Leutheusser-Schnarrenberger,

im Schreiben vom 06.04.2010 bat ich Sie, Stellung zu beziehen, mir mitzuteilen, wie Sie einerseits den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan weiterhin verteidigen können, wenn der Mohnanbau dort gestattet wird, und welche Maßnahmen Sie andererseits für die Bekämpfung der Drogenkriminalität in der Bundesrepublik planen. Bis heute erhielt ich von Ihnen keine Antwort.

Ihre Kabinettskollegen Westerwelle und zu Guttenberg, die ich gebeten hatte, mir den Krieg und die Kriegsgründe zu erläutern, antworteten umgehend und ausführlich. Die mir dargebotenen Erklärungen sind wohl nicht zufriedenstellend, doch immerhin wurden meine Schreiben schnellstens beantwortet.

Ich machte Sie in meinem Schreiben auf die Drogenproblematik – sprich auf das Heroin aus Afghanistan - aufmerksam. Im Jahr 2001 wurden in Afghanistan ca. 150 Tonnen Schlafmohn geerntet. Seit dem Sturz der Taliban avancierte Afghanistan nun wieder zum größten Heroinexporteur der Welt. Mehr als 90% des weltweit konsumierten Heroins stammen aus Afghanistan. Offiziellen Angaben nach wurden in 2009 mehr als 6.900 Tonnen Schlafmohn, der Grundstoff für die Heroingewinnung, angebaut.

Die Folgen des Heroinkonsums für Europa und für die Bundesrepublik Deutschland behandeln der Trimbos-Report und der Reitox-Bericht. Auch dem Drogen- und Suchtbericht 2009 der ehemaligen Drogenbeauftragten der Bundesregierung Frau Sabine Bätzing sind furchtbare Fakten zu entnehmen.

An der anderen Front – der Drogenfront – sterben jedes Jahr weltweit mehr als hunderttausend Menschen. In 2009 starben allein in Russland 30.000 Junkies. Die Opfer des weiter unten beschriebenen Schneeballeffektes sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

Und das ist nun die andere Front, die sich infolge des humanitären nicht internationalen Kriegseinsatzes der Bundesrepublik Deutschland in Afghanistan auftut:

 

Im Jahr 2009 starben 1.331 Menschen in Deutschland direkt infolge von Drogeneinwirkung. Fast die Hälfte, 571 (in Worten fünfhunderteinundsiebzig) fixten sich mit Heroin tot. Während also in 8 Jahren Krieg 43 deutsche Soldaten in Afghanistan ihr Leben lassen mussten (wofür?), fielen 571 Menschen allein in 2009 in Deutschland unmittelbar an der Drogenfront.

Nicht mitgezählt sind diejenigen, die durch den Schneeballeffekt der Suchtdroge umkamen: Diejenigen, die sich beim Kontakt mit Heroinabhängigen mit AIDS/HIV, Hepatitis-B, Hepatitis-C und anderen Krankheiten infizierten und ein elendes Ende fanden. Hierzu sind die Freier der Drogenprostitution zu zählen und wiederum deren Ehefrauen und Kinder. Und weitere Menschen werden infiziert, die entsprechende Kontakte zu den anderen Opfern hatten.

Es erkranken Ärzte, Zahnärzte, Krankenhauspersonal, Polizisten, Helfer bei Unfällen etc. etc. die bei einem unglücklichen Kontakt mit dem Blut Infizierter in Berührung kommen, und auch sie tragen die Krankheiten weiter. Die Hepatitis-B kann bereits durch die sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen werden. Einmal geniest und schon ist es geschehen.

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der EBDD (europäische Drogenbeobachtungsstelle) Joao Goulao heute erklärte am 24.06.2010 dem Standard – Tageszeitung in Österreich -, dass das wachsende Heroinproblem seit Anfang der 80er Jahre zu mehr als 100.000 Todesfällen in Europa führte. Erfasst wurden jedoch nur die Todesfälle, die in direktem Zusammenhang mit dem Heroinkonsum standen, nicht die Sterbefälle, die Folge des Schnellballeffektes der Ansteckung und Verbreitung von AIDS/HIV und anderen tödlichen Krankheiten waren.

In ihrem jüngsten Bericht "Trends beim injizierenden Drogenkonsum in Europa" schätzt die EBDD, dass es in der EU heute zwischen 750.000 und einer Million aktive injizierende Drogenkonsumenten gibt. In den meisten Fällen handelt es sich um Heroinabhängige. Sicherlich liegt der Bericht bereits auf Ihrem Schreibtisch.

Ein hohes Bruttosozialprodukt ist für Finanz- und Wirtschaftsminister ein Merkmal einer prosperierenden Volkswirtschaft. Doch in die Summierung des BSP fließen auch die Ausgaben für die Bekämpfung der Drogenkriminalität ein. Ebenfalls wird diese Statistik durch die Aufwendungen im Gesundheitsbereich aufgebläht, Kosten, die auch durch die Behandlung der Heroinabhängigen und der durch den genannten Schneeballeffekt Erkrankten entstehen. Wie hoch ist der Anteil dieser Kosten am BSP der Bundesrepublik Deutschland?

Das Leiden betroffener Angehöriger von Abhängigen und Kranken wie auch das der Opfer der Drogenkriminalität lässt sich nicht in Zahlen fassen. Doch auch diese sind Kriegsopfer an der anderen Front des Afghanistankrieges.

Dem Bericht der Illustrierten „Stern“ „General MCCrazy fliegt, die Kriegslüge bleibt“ vom 24.06.2010 ist zu entnehmen, dass der Drogengroßhandel von der US-Regierung und daraus folgernd, auch von der Deutschen Bundesregierung geduldet wird. Die ISAF-Truppe steht nur noch in Afghanistan, weil sie mittlerweile die schlimmsten Verbrecher und Drogenhändler, wie den Halbbruder des Wahlbetrügers und Präsidenten von Afghanistan, Karzai, hofiert.

Der Verteidigungsminister Herr zu Guttenberg schrieb mir am 16.04.2010:

„Maßnahmen, die in Deutschland zur Drogenbekämpfung durchgeführt werden, stehen in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Drogenanbau in Afghanistan.“

Frau Leutheusser-Schnarrenberger, bitte erklären Sie dem Verteidigungsminister, dass zwischen dem Drogenanbau in Afghanistan und dem Drogenelend in der Bundesrepublik sehr wohl ein Zusammenhang besteht. Während er an der Front in Afghanistan recht erfolglos kämpft, wird das Heroin in Hamburg zu Dumpingpreisen verkauft. Die Drogenhändler Afghanistans sind mit den Drogenhändlern weltweit, so auch in Deutschland, vernetzt.

Als Sie, sehr geehrte Frau Leutheusser-Schnarrenberger, am 14.12.1995 als Justizministerin Ihren Rücktritt aus Protest gegen die akustische Wohnraumüberwachung im Rahmen des „Großen Lauschangriffes“ erklärten, haben Sie bewiesen, dass Sie eine Politikerin mit Rückgrat sind. Ich bitte Sie heute, diese aufrechte Haltung noch einmal zu zeigen. Treten Sie den Kriegsbefürwortern entgegen! Reden Sie Tacheles! Und bitte antworten Sie mir!

Mit freundlichen Grüßen

 

25.6.10 03:26
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


phreak / Website (25.6.10 05:17)
Um sich vor einer Ansteckung mit den beschriebenen Krankheiten zu schützen gibt es wirksame Mittel, wie Handschuhe und Mundmasken (Ärzte, Klinikpersonal, Ersthelfer). Für die Freier, die sich durchaus bewusst der Gefahr aussetzen gibt es Kondome.
Wenn jemand jedoch den Verdacht hat sich infiziert zu haben bei einem Unfall, so stehen heute Methoden zur Verfügung, die innerhalb von 24 Stunden einen sicheren Nachweis erbringen. Anschließend erfolgt eine spezielle Behandlung und nach meinem Kenntnisstand hat die eine sehr hohe Erfolgsrate. Daher ist eine solche Ansteckung eher als gering zu betrachten, sofern man auf den Eigenschutz achtet.
Die Bundeswehr hat nicht den Auftrag erhalten, die Mohnplantagen zu zerstören.
Es heißt auch nicht „Junkies“ sondern „Abhängige“!
Es dürfte sehr schwer werden jegliche Einfuhr von Heroin in die EU zu unterbinden. Den Kartellen stehen viele Wege zur Verfügung und eben so viele Anbaugebiete.
Was aber sicherlich sehr interessant ist, dass derzeit ein Schimmelpilz unbekannter Herkunft sehr viele der Mohnplantagen zu vernichten scheint.
Selbst wenn man Afghanistan komplett abriegeln würde, so würde ein neues Anbaugebiet sehr gefunden werden, denn wir reden hier nicht von ein paar tausend Euro, sondern von einem Geschäft über Millionen. Sofern genügend Geld und kriminelle Energie vorhanden ist, werden die immer einen Weg finden.
Aber wäre es nicht sinnvoller dieses Schreiben an Herrn Rösler zu schicken? Bei der Drogenpolitik geht es um auch sehr stark um Gesundheit, bzw. ist Diamorphin (Heroin) ein verschreibungsfähiges Betäubungsmittel.
http://de.wikipedia.org/wiki/Heroin#Deutschland

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